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Von Maximilian Schröter

Interview mit Ervin Fetahovic

Mit Fairness zum Vorbild

Maximilian Schröter im Gespräch mit Ervin Fetahovic | Während auf dem Platz oft der Wille zum Sieg regiert, erinnert Jugendtrainer Ervin Fetahovic daran, was im Fußball wirklich zählt: Fairness, Respekt und Haltung. Bei einem Spiel seiner C-Junioren der SG Markgräflerland zeigte er eine außergewöhnlich sportliche Geste, für die er später mehrfach geehrt wurde. Vom SBFV erhielt er sowohl den Fair-Play-Monats- als auch den Fair-Play-Jahrespreis. Zusätzlich wurde er Anfang September zum Länderspiel Deutschland gegen Nordirland nach Köln eingeladen, wo ihm der DFB die Fair-Play-Medaille der Amateure verlieh.

Ervin, schildere bitte die Situation vom 14. September 2024 aus deiner Sicht, die zur Fair-Play-Auszeichnung geführt hat.
Es war das erste Spiel in der Landesligasaison der C-Junioren. Unsere Jungs empfingen zu Hause die B-Juniorinnen des SC Freiburg – die ja in dieser Spielklasse dabei sind. Beim Spielstand von 3:1 gegen uns verletzte sich einer unserer Spieler und lag mit Knieschmerzen am Boden. Der Schiedsrichter hat das nicht gesehen, der gegnerische Trainer hingegen schon. Er hat seine Spielerinnen angewiesen, den Ball ins Aus zu spielen. Das wollte die Torhüterin auch tun, traf aber unglücklich und produzierte einen Fehlpass zu einem unserer Stürmer, der den Ball nur noch leicht ins Tor schieben musste. Da habe ich natürlich meine Spieler im Gegenzug dazu aufgefordert, die SC-Mädchen nach dem Anstoß durchlaufen zu lassen, um den ursprünglichen Torabstand wieder herzustellen. Am Ende haben wir 2:4 verloren …

Was ging dir durch den Kopf, als deine Mannschaft das Tor erzielt hat? War dir sofort klar, wie du reagierst, oder musstest du kurz überlegen?
Das war eindeutig. Mir war ja klar, dass die Torhüterin den Ball ins Aus spielen wollte. Da gab’s nichts zu überlegen. Nur bei meinen Spielern musste ich ein bisschen nachhelfen und ihnen die Situation erst erklären – einige hatten das, was davor passiert war, gar nicht mitbekommen. 

Wie haben die Zuschauer reagiert?
Hinter mir waren überwiegend Eltern der gegnerischen Mannschaft. Die fanden das natürlich super und haben geklatscht. Aber auch von den Eltern unserer Spieler, die auf der anderen Seite saßen, habe ich nur Positives mitbekommen – am Ende haben alle applaudiert.

Trotz der Niederlage?
Auch nach dem Abpfiff waren alle in der Mannschaft der Meinung, dass das Spiel nicht wegen dieser Aktion verloren wurde.

Gehört der Fair-Play-Gedanke zu den Dingen, die du den Kindern und Jugendlichen als Trainer vermitteln willst?
Auf jeden Fall. Mein oberstes Ziel ist es natürlich, den Kindern ein gutes Vorbild zu sein – auf dem Platz und auch außerhalb. Gerade auch im Hinblick auf den Umgang mit Menschen ist es mir wichtig, die Themen rund um faires Verhalten zu vermitteln. Wir kicken hier im Verein im Jugend- und Amateurbereich – da gibt es wirklich Wichtigeres, als vereinzelt Spiele zu gewinnen oder ein Tor zu schießen … Ich möchte den Kindern natürlich fußballerisch etwas beibringen, aber an erster Stelle steht, dass sie zu verantwortungsvollen Erwachsenen werden.

… dass man vom Fußball viel fürs Leben lernen kann.
Genau. Jemand, der in jungen Jahren regelmäßig ins Training kommt, geht auch später disziplinierter durchs Leben. Und wer lernt, mit seinen Teamkollegen und Mitmenschen respektvoll umzugehen, hat es im Lauf seines Lebens einfacher. Das geht ja auch mir so: Was ich im Fußball an Teamgeist und respektvollem Miteinander verinnerlicht habe, kommt mir heute im Beruf zugute.

Für dich ist es also selbstverständlich, im Zweifelsfall der gegnerischen Mannschaft ein Tor zu schenken …
Ja, vor allem bei einem Jugendspiel. 

Fußball ist die wichtigste Sportart in Deutschland und muss auch daher viele gesellschaftliche Themen transportieren. Manchmal zu viele?
Nein, das ist doch gerade eine große Chance! Fußball war auch mein erstes Hobby, in dem ich mich richtig zu Hause gefühlt habe. Und ich wurde im Team geprägt. Fast wie in einer Familie haben die Verantwortlichen in den Fußballvereinen die Möglichkeit, verschiedenste Themen parallel zum Sport zu vermitteln. Mir ist es beispielsweise sehr wichtig, zu zeigen, dass man sich auch in schwierigen, hitzigen Situationen auf dem Spielfeld ruhig verhält. Da schauen sich die Kinder viel beim Trainer ab. Wenn dieser ständig mit dem Schiedsrichter diskutiert und anfängt, herumzuschreien, färbt das ab. Ein Trainer sollte vielmehr jemand sein, dem man gern zuhört und mit dem man auch Zeit verbringen mag. Als Trainer muss man den Kindern stets ein gutes Gefühl vermitteln.

Was möchtest du jungen Kickern mitgeben? Was ist deine Botschaft an sie?
Auf lange Sicht zahlt es sich immer aus, großzügig und fair zu sein. Meine Aktion beim Spiel gegen den SC habe ich beispielsweise gar nicht mehr im Sinn gehabt – ein Jahr später bin ich dann dafür ausgezeichnet worden … Man sollte also an solchen Werten festhalten. Denn bei aller Fußball-Leidenschaft gibt es letztendlich doch wesentlich mehr, was eine Person ausmacht, als die 90 Minuten auf dem Platz.

Auch wenn du sie nicht erwartet hast, was bedeuten dir die Fair-Play-Auszeichnungen?
Sehr viel. Denn meine Aktion führte auch zu einem direkten Lernerfolg für meine Spieler: Am Ende der Saison hat sich doch alles zum Guten gewendet, auch wenn wir damals unser erstes Spiel in der Runde verloren haben. Danach blieben wir ungeschlagen und wurden Vizemeister in der Landesliga. Mir und meinen Jungs ruft meine Auszeichnung nun einmal mehr ins Gedächtnis, wie wichtig es ist, immer den Weg des fairen Miteinanders zu suchen. | ms