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Von Uwe Flegel

Vereinsporträt SG Sonnenhof Großaspach

«Dorfklub» SG Sonnenhof Großaspach

von Uwe Flegel | Eine Wette ist der Anfang für ein erfolgreiches Freizeitteam rund um die Brüder Klaus und Uli Ferber. Daraus entwickelte sich ein Verein, der als «Dorfklub» bundesweit zur Marke wurde, auf den eigenen Nachwuchs setzt und schon viele namhafte Clubs als Gäste begrüßen durfte. 

«Begonnen hat eigentlich alles mit einer Wette in den 70er-Jahren», erzählt Klaus Ferber und schmunzelt. Mit seinem acht Jahre jüngeren Bruder Uli gehört der 74-Jährige zur vierköpfigen Geschäftsführung des Hotels Sonnenhof in Kleinaspach. Ein Vertreter eines Getränkelieferanten hatte damals so lange gefrotzelt, bis das Hotel die Herausforderung zum Fußballduell einer Mannschaft mit seinen Mitarbeitern gegen das Team des Lieferanten annahm. Wie die Partie ausging? «Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube, dass wir gewonnen haben», sagt Klaus Ferber. Das damalige Ergebnis mag unklar sein, was aus der Stammtischmannschaft des Kleinaspacher Hotels wurde, ist hinlänglich bekannt. Immerhin sechs Jahre spielten die Nachfolger als SG Sonnenhof Großaspach zwischen 2014 und 2020 in der 3. Liga, waren hinter dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Heidenheim die Nummer drei in Württemberg und kämpfen heute in der Regionalliga erfolgreich um Punkte.

Der Verein aus dem Fautenhau ist ebenso untrennbar mit der Familie Ferber verbunden wie der Sonnenhof mit dem Fußball. Schon Vater Karl Ferber hatte ein Herz für den Sport. Zwar war er nur selten Gast auf den Sportplätzen, aber er war eines der ersten Mitglieder der heimatlichen Spvgg Kleinaspach/Allmersbach. Als die am Hardtwald in den 80er-Jahren einen Fußballplatz baute, griff er dem Verein finanziell kräftig unter die Arme. «Wenn er Zeit fand, dann ist er mit uns als Belohnung immer mal wieder zu einem Bundesligaspiel des VfB ins Neckarstadion gefahren», erinnert sich Klaus Ferber.

Insbesondere der Fußball, allerdings auch der Sport insgesamt spielt im Hotel selbst ohnehin eine große Rolle. So zählt der erfolgreichste deutsche Boxtrainer und Andrea-Berg-Fan Ulli Wegner mit seiner Frau Margret zu den Stammgästen. Wegner bereitete Kämpfer wie Marco Huck oder Arthur Abraham im Sonnenhof auf wichtige Duelle vor. Vor allem aber waren und sind viele große und kleine Fußballvereine im Sonnenhof im Trainingslager zu Gast. «Angefangen hat es mit den Stuttgarter Kickers», berichtet Klaus Ferber. Die spielten damals in der 2. Liga, waren offenbar sehr zufrieden mit dem, was sie vorfanden, und kamen immer wieder. Das sprach sich sogar bis nach Griechenland herum. Im Sommer 1988 war Olympiakos Piräus vier Wochen lang im Sonnenhof. Nebenbei half Uli Ferber dem erfolgreichsten griechischen Fußballverein, den ungarischen Nationalspieler und Weltklassefußballer Lajos Détári vom DFB-Pokal-Sieger Eintracht Frankfurt für die damalige Rekordsumme von 16 Millionen Mark loszueisen. Für den späteren Spielerberater mit FIFA-Lizenz war es der erste Transfer, an dem er beteiligt war. Und der hatte offenbar Lust auf mehr gemacht. Erst recht, als er gut zehn Jahre danach einen damals 17-Jährigen namens Alexander Hleb sah und den jungen Weißrussen nicht nur in die Bundes­liga zum VfB Stuttgart brachte, sondern ihn auch in seinem Haus in Kleinaspach aufnahm. Klienten wie Mario Gómez, Joshua Kimmich und Bernd Leno folgten und alle genossen viele Stunden bei den Ferbers im Sonnenhof.

Aus der Stammtischtruppe des Hotels Sonnenhof war zu jener Zeit längst der FC Sonnenhof Kleinaspach geworden, der ab 1988 offiziell am Spielbetrieb des wfv teilnahm. Zuvor hatte das Team in der Freizeitliga sowohl die Meisterrunde als auch den Pokal gewonnen – mit Uli und Klaus Ferber sowie u. a. mit dem späteren Bundesligatrainer und heutigen Coach der österreichischen Nationalelf Ralf Rangnick am Ball. In der Landesliga angekommen, fusionierte der FC Sonnenhof Kleinaspach 1994 mit der schon 1920 aus dem Turnverein Großaspach entstandenen Spvgg Großaspach zur SG Sonnenhof Großaspach. Selbstverständlich waren Uli und Klaus Ferber als treibende Kräfte entscheidend an dem Zusammenschluss beteiligt. Heimat des Vereins ist seither der Aspacher Fautenhau, in dem inzwischen viele große Vereine beim Desso-DLW-Cup oder bei Freundschaftsspielen zu Gast waren. Auf der alten Anlage wurden beispielsweise Sparta Prag, der FC Schalke 04, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und selbstverständlich mehrfach der VfB Stuttgart begrüßt. Selbst ein U 20-Länderspiel des deutschen Frauenteams gegen die Kolleginnen aus Dänemark fand dort statt. 


Eine neue Arena und viele prominente Gäste

Ab dem Sommer 2011 stand dann im Aspacher Fautenhau eine moderne und schmucke Arena. Zu den Investoren des 11-Millionen-Baus zählten neben den Weltklassefußballern Mario Gómez und Alexander Hleb der Sonnenhof, die Familie Ferber und die eine oder andere ihrer Firmen. Nötig wurden der Umbau der alten Anlage und das neue Stadion wegen des Aufstiegs der SG in die Regionalliga im Sommer 2009. Als es 2014 dann gar in die 3. Liga ging, verfügten Aspachs Fußballer sogar über eine mittlerweile auf 10 000 Zuschauerplätze erweiterte Anlage, die den Ansprüchen des DFB gerecht wurde. Hier fanden in all den Jahren übrigens nicht nur sportliche, sondern auch musikalische Großereignisse statt: Andrea Berg, Schlagerqueen und Ehefrau von Uli Ferber, aber auch weitere nationale und internationale Stars begeistern im Aspacher Stadion immer wieder ihre Fans. 

Unter sportlichen Aspekten waren die Spiele in der ersten DFB-Pokal-Runde 2009 gegen den VfB Stuttgart oder diesen Sommer gegen Bayer Leverkusen wichtige Höhepunkte – auch wenn die SG dort jeweils ausschied. Zudem kamen immer wieder Topteams wie der FC Bayern München, der VfB Stuttgart oder Bayer Leverkusen zu Vorbereitungsspielen vorbei. Im Herbst 2017 war gar das deutsche Frauen-Nationalteam im WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer-Inseln zu Gast und gewann mit 11:0. Sehr oft gastierten die Teams und ihre Stars aber nicht nur in Aspach, um Fußball zu spielen. Sie genossen die Annehmlichkeiten des Hotels Sonnenhof und auch dessen Küche im Fautenhau. Schließlich sind der Sonnenhof, der Fußball und der Verein eng miteinander verbunden – die Ferber-Brüder mittlerweile als Fans und tatkräftige Sponsoren, Uli Ferbers Sohn Michael als Geschäftsführer des Hotels und als für den sportlichen Bereich zuständiges Mitglied im Vorstand des Regionalligisten.

Seit der Wette und dem Anfang als Stammtischmannschaft mögen fünf Jahrzehnte vergangen sein, an der Liebe und am Bekenntnis zum Sport im Ort hat sich jedoch nichts geändert. Im Gegenteil: Sie sind eher noch größer geworden. | Uwe Flegel, Stuttgart