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Von Maximilian Schröter

Die Arbeit der Verbands-Jugendleiter

Die Steuermänner des Jugendfußballs

| Wer an Fußball denkt, denkt an Tore und an den Jubel auf dem Platz. Kaum jemand hat aber die ehrenamtlich engagierten Menschen im Sinn, die dafür sorgen, dass überhaupt gespielt werden kann: dass Staffeln eingeteilt sind, Spielordnungen abgestimmt und Trainer ausgebildet werden. Im Nachwuchsbereich tragen Verbands-Jugendleiter diese Verantwortung. Sie sind zentrale Figuren des Amateurfußballs, die an vielen Stellen vermitteln und oft im Hintergrund wirken. In einem Ehrenamt, das weit mehr verlangt als nur die Liebe zum Spiel.

«Die Aufgaben sind sehr vielfältig», sagt Armin Bader, Jugendleiter des SBFV. «Der zentrale Bereich ist sicher die Organisation und Durchführung des überbezirklichen Spielbetriebs, von der Meisterschaft im Ligabetrieb über den Verbandspokal bis zur Hallenmeisterschaft.»

Dass die Jugend dabei oft im Schatten des Aktivenbereichs steht, ist eine Erfahrung, die er mit seinen Amtskollegen aus Baden und Württemberg teilt. «Dabei sind wir die Abteilung mit den meisten Themen», sagt Michael Supper, seit 2015 Jugendleiter beim wfv. Rouven Ettner, der das Amt in Baden seit 2016 innehat, kennt die Notwendigkeit, sich Gehör zu verschaffen: «Oftmals überstrahlt der Spielbetrieb der Männer alles andere. Dann ist es auch unsere Aufgabe, in den verschiedenen Gremien wieder in Erinnerung zu rufen, dass die Jugend schließlich den größten Teil des Fußballs einnimmt.» In den drei baden-württembergischen Landesverbänden stehen den rund 6800 Männer- und Frauenteams über 12 200 Jugendmannschaften gegenüber.


Dienstleister, nicht Bestimmer

Die Herausforderungen, denen sich Ettner, Supper und Bader stellen, sind in allen Verbänden ähnlich, auch sind sich die drei verbandsübergreifend in ihrem Rollenverständnis einig: Ein Jugendleiter – auch wenn sich das Amt in allen drei Verbänden im jeweiligen Präsidium einreiht – ist kein Regelsetzer, der von oben herab verfügt, sondern ein Dienstleister, der vermittelt. «Dabei ist es wichtig, mit Vernunft und Fingerspitzengefühl an die Vereine heranzutreten», sagt Supper. «In der Ruhe liegt die Kraft.»

Für den 61-Jährigen ist das Verhältnis zwischen Verband und Vereinen ein Zusammenspiel, das nur gemeinsam funktioniert: «Wir dürfen nicht einfach bestimmen, sondern müssen die Clubs mitnehmen, auch die Spieler und Trainer.» Der Themenstrauß, den er dabei zu pflegen hat, ist enorm: «Vom Kinder- bis zum Jugendfußball, von den Nachwuchsleistungszentren bis zu den kleinsten Vereinen in den Winkeln unseres Verbands. Deshalb ist der Dialog zu den Vereinen draußen immer besonders wichtig.» Auch Bader versteht sein Amt als Brücke: «Mein Anspruch ist, für alle Vereine da zu sein, ob für stark leistungsorientierte Vereine, die talentierte Spieler fördern, oder für kleinere Clubs im Breitensport. Man muss alle mitnehmen.»


Viel Spielraum, klare Grenzen

Doch wie viel können die Verbands-Jugendleiter überhaupt selbst gestalten? «Die Kreativität hat grundsätzlich keine Grenzen», sagt Ettner. «Grenzen werden uns aber von den Vereinen gesetzt, oder wenn unsere Ideen Ehrenamtliche überfordern.» Nicht jeder gute Gedanke überlebt den Kontakt mit der Realität, und genau darin liegt eine wichtige Lektion. Ettner erinnert sich an ein Projekt, das scheiterte: «Als wir bei der D-Jugend die Spielform von 9-gegen-9 auf 8-gegen-8 änderten, kam die Idee auf, bei der C-Jugend auf 10-gegen-10 zu reduzieren. Doch die Vereine erklärten uns, dass das gerade im städtischen Bereich kontraproduktiv sei, weil sie ohnehin zu viele Spieler hätten. Da haben wir schnell wieder Abstand von unserem Vorschlag genommen.» Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es für die Verbands-Jugendleiter ist, stets nah an den Vereinen zu bleiben und auch mal den eigenen Blickwinkel zu ändern.

Für Supper gehört diese Fehlerkultur zum Amt: «Es bricht uns keinen Zacken aus der Krone, wenn wir etwas falsch entscheiden und dann einen Schritt zurückgehen und noch mal von vorn anfangen.» Erfolgreich sei dagegen die behutsame Einführung der bundesweiten «Trainingsphilo­sophie Deutschland» gewesen, bei der man alle Vereine von Anfang an mitnehmen konnte.

Auf gelungene Projekte können auch Ettner und Bader verweisen: 2016 startete man in Baden etwa eine Jugendstrategie, aus der u. a. der Führungsspieler-Treff hervorging, zu dem Jugend­liche aus verschiedenen Vereinen eingeladen werden und ihre Anliegen vorbringen können. In Südbaden rief man den Jugendfußball-Kongress ins Leben und setzt auf Kindertrainer-Zertifikate. «Damit haben wir es geschafft, die Spielform im unteren Bereich zu verbessern», berichtet Bader. Aus eigener Erfahrung weiß er aber, dass Ver­änderungen nicht sofort bei allen gut ankommen: «Es gibt immer Menschen, die offen für Neues sind. Und es gibt die konservative Seite, die Fußball nur als 11-gegen-11 auf große Tore kennt. Diese für neue Spielformen zu begeistern, fällt manchmal schwer.» Auch dabei seien Fingerspitzengefühl und gute Kommunikation gefragt. Und genau hier liegt die eigentliche Kunst des Amtes: das richtige Maß zu finden. «Deswegen ist es wichtig, dass wir gut mit den Clubs und den Jugendleitern kommunizieren», erklärt Ettner.

Dass diese Kommunikation kein Selbstläufer ist, weiß Armin Bader nur zu gut: «Die Wünsche der Vereine sind äußerst divers. Jeder hat andere Bedürfnisse. Alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach.» Vereine im städtischen Umfeld haben beispielsweise ganz andere Interessen als die im ländlichen Raum. «In Karlsruhe, Mannheim oder Heidelberg haben wir Vereine, die in den wenigsten Fällen Probleme mit Spielermangel haben», erklärt Ettner. «Die kleinen Dorfclubs hingegen kämpfen darum, überhaupt eine Mannschaft zusammenstellen zu können.» Auch Bader kennt das aus erster Hand: «Die Jugendabteilungen im Schwarzwald werden immer kleiner, es gibt immer weniger Kinder. Die wollen wir natürlich beim Fußball halten oder überhaupt erst zum Fußball bringen.


Blick zu den Nachbarverbänden: Abgleich der Spielordnungen 

Eine Besonderheit zeichnet die drei Verbands-Jugendleiter aus: Sie ziehen an einem Strang. Über die Grenzen ihrer Landesverbände hinweg pflegen Ettner, Supper und Bader einen engen, regelmäßigen Austausch. «Das hilft uns, über den eigenen Tellerrand zu schauen und voneinander zu lernen», sagt Bader. «Das ist wohl einzigartig im deutschen Fußball, dass drei Landesverbände im Jugendbereich so eng zusammenarbeiten.» Worum es bei diesem Austausch konkret geht, erläutert Supper: «Wichtig ist dabei z. B., die Jugend- und Spielordnungen miteinander abzugleichen.» Beispielsweise bei den Sonderspielgenehmigungen: «Wir schauen immer, dass für die Vereine in Baden, Südbaden und Württemberg dieselben Regelungen gelten – das beugt unnötigen Diskussionen vor …» 

Es gibt jedoch auch andere, strukturelle Probleme, etwa ungleiche Leistungsniveaus innerhalb der Ligen. «Ein starker Jahrgang qualifiziert sich für die Landesliga. Wenn er in die nächste Altersklasse aufsteigt, spielt der schwächere Nachfolgejahrgang dennoch weiterhin dort.» Die Folge: Niederlagen am Fließband und frustrierte Jugendliche, die dem Fußball den Rücken kehren. «Da beschäftigen uns dann häufige Spielabsagen und vor allem die Zunahme an Vereinswechseln», berichtet Rouven Ettner.

Dieser Situation begegnen alle drei Verbände mit Qualifikationsrunden. «Damit wollen wir in jeder Saison spätestens im Frühjahr so leistungshomogen wie möglich sein und den Dropout verhindern», so Ettner. «Wenn es den Jungs und Mädels Spaß macht und sie nicht jede Woche eine Niederlage einstecken müssen – und ein 40:0 war im Jugendbereich lange keine Seltenheit –, bleiben sie eher beim Fußball.»

Hinzu kommt der Druck, den Spielbetrieb immer stärker an wechselnde Umstände anzupassen. «Wie kann man den Fußball flexibel gestalten?», fragt Bader. Seine Antwort: «Wir haben jetzt ein Spielmodell, bei dem man auch noch drei Tage vor der Begegnung die Mannschaftsgröße von elf auf neun Spieler reduzieren kann.» Als Herausforderung hinzu kommt der stete Wechsel im Ehrenamt: «Im Jugendbereich haben wir immer neue Trainer und neue Jugendleiter. Daraus leitet sich eine ganz spezielle Arbeit ab. Wir müssen immer wieder neue Akteure schulen und mit ihnen Kontakt und Kommunikationswege aufbauen.» 


Dinge in die richtige Richtung bewegen

An der Spitze eines Verbands-Jugendausschusses zu stehen, heißt also vor allem, Menschen zu begeistern, aber auch verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen. In den Ausschüssen sitzen Vertreter für den Schulfußball, den Mädchen- und Frauenfußball und Schiedsrichter, berichtet Bader. «Das ist eine große Vielfalt. Wir sind sehr demokratisch aufgestellt, mit flachen Hierarchien.» Auch Ettner setzt auf Konsens und Wertschätzung: «Die Kreis-Jugendleiter müssen Freude haben, wenn sie zur Ausschusssitzung in die Sportschule kommen», auch wenn es nicht immer einfach sei, die verschiedenen Interessen zusammenzubringen. «Es gilt, immer eine gute Mitte oder auch mal individuelle Lösungen zu finden und die Interessen auszugleichen, zwischen größeren und kleineren, zwischen leistungsorientierten und Breitensportvereinen.» Dass das Amt viel Zeit verschlingt, überrascht dabei nicht. «Wenn wir um 18 Uhr mit einer Sitzung anfangen, kann es schon mal bis 22 Uhr gehen», berichtet Supper. «Wir hören erst auf, wenn alle Themen besprochen sind, und die gehen uns sicherlich nie aus.» Ohne professionelle Unterstützung durch all die hauptamtlich Tätigen wäre das nicht zu stemmen, darin sind sich die drei Ehrenamtler einig.

Bleibt die Frage, die über allem steht: Warum nehmen drei berufstätige Männer diese zeit- und energieintensive Aufgabe auf sich? Für Bader ist es die Möglichkeit, etwas zu bewegen: «Fußball bedeutet nicht nur Sport, sondern auch Gemeinschaft, Persönlichkeitsentwicklung und Integration.» Der Jugendbereich sei dabei besonders gefordert, schließlich würden in keinem anderen Bereich im Fußball gesellschaftliche Veränderungen so schnell deutlich. «Im Jugendbereich kommen sie als Erstes an, also müssen wir auch als Erste reagieren. Aber genau das motiviert mich, mich einzubringen und aktiv mitzugestalten.»

Ettner formuliert es aus anderem Blickwinkel: «Die Jugendlichen spielen auch ohne mich Fußball. Trotzdem ist die Herausforderung, die richtigen Stellschrauben zu drehen, damit mehr von ihnen auch dabeibleiben.» Zwar arbeite er nicht direkt mit den Kindern und Jugendlichen zusammen, aber er arbeite für sie. «Da ist es immer wieder befriedigend, Erfolge zu sehen. Das ist einfach eine große Freude.»

Supper schließlich blickt auf eine Bewährungsprobe zurück, die längst überstanden ist: «Nach Corona meinte jeder, der Fußball würde kaputtgehen. Aber wir haben alles dafür getan, ihn im Kinder- und Jugendbereich stabil zu halten.» Blickt man auf die Zahlen, haben die drei Verbands-Jugendleiter tatsächlich alles richtig gemacht. Seit 2022 sind die Mannschaftszahlen in allen drei Verbänden eindeutig gestiegen – beim wfv um 11,6 Prozent, beim bfv um 9,4 Prozent und beim SBFV um 7,9 Prozent. 

Der Auftrag, den Bader, Ettner und Supper mit Leidenschaft im Hintergrund erfüllen, bleibt auch in Zukunft derselbe: den Kinder- und Jugendfußball so attraktiv zu gestalten, dass möglichst viele junge Menschen den Weg in den Fußball finden und dabeibleiben. | ms